AKT III. KINDER BLEIBEN IMMER KINDER
Inspiration: „Kinder sind nicht die Menschen von morgen, sie sind die Menschen von heute.“ (Janusz Korczak)
„Alle großen Leute sind einmal Kinder gewesen, aber nur wenige von ihnen erinnern sich daran.“
(Antoine de Saint-Exupéry)

Kinder als absolute, reine „Einheit“ der Menschlichkeit, die sich den Gesetzen des adulten Chaos nicht unterwirft. Die Unantastbarkeit ihrer inneren Welt als Axiom der Erziehung einer neuen Zivilisation.
Einer Zivilisation für einen Planeten ohne Kriege.
Viele von ihnen haben keine Kindheit im gewohnten, sicheren Sinne dieses Wortes. Krieg, Krisen, Absurdität und das Chaos der Moderne — diese ganze Hölle begleitet sie jede Minute. Doch Kinder bleiben trotzdem Kinder.
Sie malen mit Kreide auf dem Asphalt zwischen Betonblöcken. Sie jagen einem Ball über kaputte Straßen hinterher. Sie glauben an Märchen und sie glauben uns… uns Erwachsenen. Ich habe im Laufe meines Lebens viele Kinder unter den verschiedensten Bedingungen gesehen. Wissen Sie, was mich am meisten beeindruckt hat? Ihre Unvoreingenommenheit, ihre Leichtigkeit, ihre Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Das aufrichtigste Lächeln ist das eines Säuglings, dessen Welt die erwachsenen „darf man nicht / muss man“ und andere „ernste“ Dogmen, Regeln und Gesetze noch nicht berührt haben. In diesem Lächeln liegt so viel Sonne und Ursprünglichkeit, eine so makellose Heiligkeit, dass man denkt, Gott selbst lächle einen an.
Wie F. M. Dostojewski sagte: „Kinder sind Splitter des Paradieses, die noch nicht zerbrochen sind.“


Mein Projekt handelt nicht vom Schrecken um diese Kinder herum, nicht von den äußeren Bedingungen, nicht von den Umständen. Es handelt von dem, was in ihnen ist. Von dem, was unmöglich zu brechen, zu beschießen oder wegzunehmen ist. Von genau jener Ursprünglichkeit, genau jener Heiligkeit, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Von dem, was wir, Erwachsene, fast vollständig und unwiederbringlich verloren haben.
Ich habe mich kategorisch geweigert, „arme Kinder zum Bemitleiden“ zu fotografieren. Das wäre unehrlich ihnen gegenüber. Sie bitten gerade nicht um Mitleid. Sie Leben. Trotz allem. Und genau diese Würde — einfach weiterzuleben — übertrifft viele erwachsene Heldentaten zusammen. Sie sind genau jene reine „Einheit“, die noch nicht mit Nullen von Errungenschaften, Status und Masken überwuchert ist.
Sie wählen nicht, menschlich zu sein — sie sind es einfach. Sie erinnern uns Erwachsene daran, was wir so oft verlieren auf der Jagd nach den Illusionen der „Großen Erde“.
Kinder sind überall gleich. Wo auch immer ihre Kindheit stattfindet. Sie freuen sich, sind launisch, sind verschmitzt, lächeln dem neuen Tag zu, richten das Kissen ihres Stofftiers zurecht, wenn sie schlafen gehen. Und sie lieben. Sie lieben einfach so. Ohne Bedingungen und Konventionen, ohne Handel und Eigennutz. Einfach, weil sie lieben. Und in dieser Liebe liegt etwas Göttliches und für uns Erwachsene Unmögliches.
Doch die Zeit ist unerbittlich. Früher oder später werden sie diese geschützte innere Welt verlassen müssen. Sie werden sich einer Welt stellen müssen, in der Menschen in Freunde und Fremde eingeteilt werden. Wo das Vorhandensein oder Fehlen eines einzigen Stücks Papier über alles entscheidet. In unsere Welt. Die Welt der Erwachsenen.


























